Mittwoch, 9. Juni 2010

Sommertheater auf dem "Hirsch"

"Komödie im Park" mit hochkarätigem Programm auf dem Konzertplatz 

von Reinhard Heinrich 
Der Dresdner Konzert- und Theatersommer hat wieder eine Facette mehr. Auf dem "Konzertplatz Weißer Hirsch",  am Rand der Dresdner Heide direkt hinter dem Parkhotel gelegen, wird es ein abwechslungsreiches Progamm geben.

Von "Ostrock exclusiv" (City)  über "20 Jahre deutliche Einheit" (Uwe Steimle) bis hin zum Stück "Restlos Ausverkauft!" (wahnsinnige Komödie für 1 Schaupieler in 44 Rollen - Christian Kühn) - an jede Sparte, an jeden Geschmack ist gedacht.
Und natürlich werden wir auch Olaf Böhme sehen, eine Sommernacht des Musicals und den 7. Boogie Woogie-Sommer . Ja selbst das 70jährige Dresdner Akkordeonorchester und Die Bierhähne vom Radeberger Biertheater freuen sich auf ihr spezielles Open-Air-Publikum.

Die  gastronomische Betreuung obliegt Stefan Hermann von  "bean&beluga" (ebenfalls "Weißer Hirsch"), der  weder Mühe noch Kosten gescheut hat, den Platz wieder so in Schuß zu bringen, wie er sich dem Publikum jetzt darbietet. Das hätte der durchaus verdienstvolle örtliche Verschönerungsverein denn doch nicht allein gestemmt.


Donnerstag, 3. Juni 2010

Dr. phil. J. Menzhausen zu 450 Jahren Kunstkammer

Ein würdiger "Kammerherr" plauderte aus dem "Schatzkästlein" der Kurfürsten
von Reinhard Heinrich 

Die DRESDEN BUCH-Veranstaltung am vorigen Donnerstag war ein ähnlicher Geheimtipp wie seinerzeit die Konzerte und Vorträge in der Porzellansammlung, als in den 80ern des vorigen Jahrhunderts ein "eingeweihter Kreis" unter sich "herum erzählte", wie gut es wieder einmal gewesen war. Der "eingeweihte Kreis" kommt vermutlich heute immer noch teilweise zusammen - und manchmal eben in der Buchhandlung - zum Vortrag.

Und gut war es auch dieses mal. Joachim Menzhausen ist seit über einem halben Jahrhundert in den Kunstsammlungen praktisch zuhause, davon über 30 Jahre als Direktor des Grünen Gewölbes. Und im (Un-)Ruhestand wohl erst recht. Er hört nicht auf zu publizieren (Buch zum Thema s. 2. Abbild.) und zu forschen. Er ist ein Entdecker und Geheimnis-Lüfter - anscheinend seit er mit Kunst zu tun hat. Und lächelnd bringt er auch manches Gebäude kunstgeschichtlich "unumstößlicher Tatsachen" zum Einsturz, indem er der Arbeit alter sächsischer und fremder Kunsthandwerker nachforscht.


Was Joachim Menzhausen an diesem Abend vorgestellt hat, war nicht die Schönheit unserer sächsischen Kunstschätze. Die ist gegen Eintritt zu besichtigen. Menzhausen zeigte, was den eigentlichen Wert der Kunstkammer für Sachsen einst ausmachte: Die Technologiesammlung, wie man heute sagen würde. Es hieß eben auch Wasser"kunst", womit man Wasser bergauf bewegen konnte. Und für den dünnwandigen Bronzeguß kaufte Sachsen kurzerhand das Know-How in Italien ein - in Person des Gußtechnikers. Dafür mußten allerdings auch "unsere" Handwerker höchstpersönlich ihr sächsisches Know-How nach Italien tragen. Und alles wurde auf  Regierungsebene ausgehandelt. Der frei wandernde Handwerksbursche gehörte wohl noch nicht in die Renaissance.



Montag, 24. Mai 2010

Dresden sang und musizierte

Ein Russe aus Berlin moderiert sechs Klangkörper auf der Repnin-Treppe
von Reinhard Heinrich 
Das hat sich der Generalgouverneur von Sachsen (1813-1814) Fürst Nikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski (Bild) vielleicht doch nicht träumen lassen:

Russische Volkslieder - vom einsamen Birkenbaum bis "Kalinka", abgewechselt von Robert Schumann und dem (Wilhelm!) Müller, dessen Lust  das Wandern war, dann wieder die Polowetzer Tänze aus "Fürst Igor". Ein musikalisches Programm der kompletten deutsch-russischen Romantik in Volks- und Hochkultur erklang auf der Treppe zur Brühlschen Terrasse. Ein besserer Ort hätte es nicht sein können, wenn auch die Treppe seit Jahrzehnten der ganz gewohnte Platz dieser Veranstaltung ist. Und ein besserer Klang auch nicht.

Schließlich hätte es ohne den russische Gouverneur diese Treppe nicht gegeben. Er befahl ihren Bau und beauftragte Gottlob F. Thormeyer mit dem Entwurf. Und beendete damit endgültig, aller Welt sichtbar in Stein erbaut, das Zeitalter des Absolutismus in Sachsen. Das Volk hatte fortan Zugang zu Brühls Eigentums-Terrasse. Merkwürdig, wie ein (aufgeklärter) russischer Fürst Elemente der Demokratie nach Sachsen brachte, statt daß Napoleon Bonaparte als  "Sendbote der Revolution" sie von Frankreich her eingeführt hätte. Nein - Thormeyers Repnin-Treppe (oder Repnins Thormeyer-Treppe) ist ein heimliches russisches Denkmal in Sachsen, mit kulturell Bahn brechender Wirkung. Nur recht und billig war es, daß letzten Sonnabend dort die "große russische Seele" in beiderlei Sprachen sang.

Sonntag, 16. Mai 2010

Ein schöner Schwede - höflich beklatscht

von Reinhard Heinrich 
Um es gleich vorher zu sagen: Ich werde unbedingt wieder in die Komödie gehen. In jedes andere Stück. Nun aber gerade, wo diese nicht subventionierte Bühne Schwierigkeiten mit dem Vermieter hat.
Die Dresdner lieben ihre Theater mehr, als Vermieter sich vorstellen können. Und sie lieben von Herzen ihre Schaupieler, auch ein wenig ihre Autoren und Komponisten. Weniger lieben sie das neue, ungewohnte Niveau auf der Bühne.


Szenenfoto: Komödie Dresden
Die Komödie "Der schöne Schwede" von Laurence Jyl, eine Produktion der  Komödie Bochum, erfuhr bei der Premiere am 14. Mai 2010 in Dresden eine höfliche aber reservierte Aufnahme. Dabei ließ das Publikum keine der wenigen Gelegenheiten zum  Lachen aus. Schon nach der ersten Szene gab es Applaus, so frisch und lebendig spielte Lesley Higl (TV-bekannt als Eden im "Marienhof") die kesse junge Dame, die in einer fremden Wohnung eigentlich nur die Blumen gießen soll und kurz nacheinander immer verrücktere (Schein-)Welten entstehen läßt. Auch Jochen Schroeder (TV-bekannt als Pfleger Mischa aus der "Schwarzwaldklinik") als schwedenblonder Hermann legte sich voll ins Zeug. Aber sie schienen sich beide nicht immer sicher zu sein, wer sie im Augenblick gerade sind. Die Spielperspektive wechselte ständig. Das liegt auch am Stück.


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