Sonntag, 28. März 2010

Was soll und was kann eine Schlichtung erreichen?


Öffentlich kommunizierte Meinungsverschiedenheiten im Gefolge des 13. Februar 2010 in Dresden, speziell in Bezug auf die öffentliche Bewertung  des Anteils der einzelnen Gruppierungen an der Zurückdrängung von Nazi-Aktivitäten, waren für DIE LINKE ein Anlaß, ihre Schlichtungskommission tätig werden zu lassen. Hier der Bericht:

Was soll und was kann eine Schlichtung erreichen?
 von Dieter Gaitzsch
Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit ich Mitglied der Schlichtungskommission bin, und das ist schon über 2 Jahre her.
Mit meinen Überlegungen bin ich heute zu der Auffassung gekommen, daß eine erfolgreiche Schlichtung mit den Beteiligten an einem Konflikt einen Weg erarbeitet, wie dieser für alle produktiv gemacht werden kann.

Bei den Schlichtungsgesprächen wurde auch immer wieder klar, daß die andere Seite die Schuldige an dem Konflikt ist. Das zu Beurteilen ist nicht Aufgabe einer Schlichtung. Für uns steht das Verhalten der Beteiligten im Mittelpunkt.
Es ist die erste und grundlegende Erkenntnis bei einer gegenseitigen Schuldzuweisung, es fehlt an Selbstkritik auf beiden Seiten.

Des weiteren wird versucht, der anderen Seite Fehler und Versäumnisse möglichst mit Öffentlichkeit nachzuweisen oder Fehler der anderen Seite in die Öffentlichkeit zu bringen. Ein Dialog wird als nicht sinnvoll angesehen. Es gibt keinen Versuch, das Verhalten der anderen Seite zu verstehen, es wird  stigmatisiert anstatt fair zu beurteilen.

Ein Resultat eines solchen Verhaltens ist das Verlassen der sachlichen Ebene und die Fortsetzung der Auseinandersetzung in die persönliche Ebene. Es kommt zur, teilweise auch bewußt herbeigeführten, Verletzung der Würde des Anderen. Dazu werden sachliche Vorgänge nur noch als Anlaß zur Herabwürdigung des Anderen verwendet.

Was kann getan werden, wenn die Situation sich so weit entwickelt hat?
Jeder der Beteiligten sollte sich zunächst über die Situation im klaren sein und seinen eigenen Anteil an der Entwicklung einschätzen. Wenn das Ergebnis dieser Überlegung lautet: “An mir liegt es nicht!“, dann wurde vermutlich das eigene Denk- und Verhaltensschema nicht selbstkritisch in Frage gestellt.
Wer in seinem eigenen Verhalten Punkte findet, an denen er selbst bessere Möglichkeiten hatte, diese aber nicht genutzt hatte, kommt es dann zumeist zu einer Entschuldigung vor sich selbst. Das ist verständlich, aber genau dort ist ein Ansatz zur Bewältigung des Konfliktes. Jeder der Beteiligten sollte sich nun die Frage stellen, ab er bereit ist, sein Verhalten zu ändern.

Diesen Prozeß sehen wir als die Voraussetzung für eine produktive Bewältigung von Konflikten und diesen wollen wir als Schlichtungskommission unterstützen.

Wir werden dazu weitere Gespräche führen und würden uns freuen, wenn sich Genossen bei uns zu einem Gespräch melden. Wir werden auch von uns aus Genossen zu einem Gespräch bitten.

Eine gute Gelegenheit für eine Annäherung sehen wir in einer gemeinsamen Veranstaltung des Stadtvorstandes, der Fraktion und der IDS. Dazu haben wir uns mit Reinhard Heinrich verständigt und Anja Apel wird eine solche Veranstaltung organisieren.

Kommentare:

  1. Keine Sau erfährt aus dem Artikel, worum es eigentlich ging - worin ein Streit bestand, der zu schlichten wäre. Aber das ist typisch.
    meint
    die Gustl
    aus Blasewitz

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  2. Liebe Gustl,
    wir haben den Artikel so veröffentlicht, wie er eingereicht wurde.
    Mehr konnte - oder wollte der Autor nicht sagen.

    AntwortenLöschen

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